Im Universitätsclub Bonn fand gestern das 6. VinylPlus®Nachhaltigkeitsforum Deutschland mit rund 50 Teilnehmern aus der gesamten PVC-Wertschöpfungskette sowie Stakeholdern aus Wirtschaft und Wissenschaft statt. Im Fokus stand „Pfad 1“ des aktuellen Zehnjahresprogramms VinylPlus® 2030: „Steigerung der Zirkularität in der PVC-Wertschöpfungskette“.
Überarbeitete Selbstverpflichtung
Die freiwillige Selbstverpflichtung der europäischen PVC-Branche zur nachhaltigen Entwicklung, VinylPlus®, umfasst konkrete Maßnahmen mit messbaren Zielen, um die Kreislaufführung von PVC weiter auszubauen und die in VinylPlus® 2030 definierten Umwelt- und Recyclingziele zu erreichen. Auf halbem Weg zum Zieljahr 2030 wurde sie Anfang dieses Jahres in einem Mid-term-Review überprüft. Damit werden einerseits die langfristigen Ziele bekräftigt und andererseits die Instrumente an das veränderte Geschäftsumfeld und die bisherigen Entwicklungen angepasst. So bleibt das Ziel bestehen, bis 2030 mindestens eine Million Tonnen recyceltes PVC in neuen Produkten einzusetzen. Zugleich werden die Qualität des Recyclings und der Rezyklate stärker in den Blick genommen. Im Mittelpunkt stehen dabei messbare Fortschritte entlang der gesamten Prozesskette – von der Verbesserung von Sammel- und Recyclingsystemen über neue Technologien zur Sortierung und Trennung komplexer PVC-Abfälle bis hin zur Bewertung des Potenzials chemischer und lösungsmittelbasierter Recyclingverfahren. Auch beim Ökodesign sollen die Fortschritte künftig systematischer erfasst und nach Anwendungssektoren ausgewiesen werden.
Impulse für mehr Kreislaufführung
„Ziel unseres jährlichen nationalen Nachhaltigkeitsforums ist, die Selbstverpflichtung durch inhaltliche Impulse von innen und außen voranzutreiben. Deshalb knüpfen wir heute bewusst an der neuen Ausrichtung der Selbstverpflichtung an. Wir müssen systemischer und ganzheitlicher denken und folglich verstärkt Prozesse vor dem Recycling in den Blick nehmen, damit wir die Rückführung von PVC in geeignete Recycling- und Verwertungsprozesse weiter verbessern können. Dem Ökodesign kommt dabei eine Schlüsselrolle zu“, so VinylPlus Deutschland-Geschäftsführer Dr. Alexander Kronimus.
Ökodesign und neue Verwertungswege
Ansätze, wie durch Ökodesign und neue Verwertungswege die Zirkularität von PVC gesteigert werden kann, veranschaulichten bei der Veranstaltung Experten aus Unternehmen und Wissenschaft. Zudem wurde beleuchtet, wie neue Entwicklungen gezielt mit kreislaufwirtschaftlichen Initiativen verknüpft und damit schneller in die Umsetzung gebracht werden können. So zeigte Wolfgang Steiner, Gründer und Inhaber von Ecoviator, wie gelungenes Ökodesign zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor für erfolgreiche
PVC-Produkte werden kann. Dr. Stefan Fokken, Head of R&D bei Baerlocher, beleuchtete die Rolle von Additiven bei der Optimierung des mechanischen Recyclings von PVC-Abfällen. Über die verbesserte Reinigung von PVC-Rezyklaten mithilfe lösemittelbasierter Verfahren informierte Dr. Martin Schlummer, Geschäftsfeldmanager Recycling und Umwelt beim Fraunhofer IVV. Eric Romers, Head of Project Circle bei INEOS Inovyn, referierte über neue Verwertungswege für Weich-PVC-Anwendungen. Schließlich zeigte Prof. Dr. Thomas Müller-Kirschbaum, Chief Scientist der Circular Valley Stiftung, Perspektiven für gemeinsame praxisnahe Lösungen und industrielle Skalierung auf.


„VinylPlus versteht sich als aktiver Gestalter der Kreislaufwirtschaft von PVC und arbeitet daran, die in VinylPlus® 2030 definierten Ziele entlang der Wertschöpfungskette umzusetzen. Ökodesign gelingt nur, wenn der gesamte Produktlebenszyklus neu gedacht wird. Den thematischen Bogen vom Geschäftsmodell über geeignete Rezyklatqualitäten auf der Grundlage moderner Recyclingprozesse und innovativer Additivierung, Designkompetenz bei der Produktentwicklung sowie agile Innovationsnetzwerke an einem Tag zu durchlaufen, zeigt zweifellos die Komplexität, mehr noch aber die Chancen einer kooperierenden Wertschöpfungskette auf. Wir bringen Erzeuger, Verarbeiter, Recycler und wichtige Impulsgeber an einen Tisch, um die Kreislaufführung von PVC weiterzuentwickeln und – wo durch konkrete Maßnahmen nachweisbar – den Einsatz von Rezyklaten sowie die Ressourceneffizienz zu verbessern“, so Dr. Oliver Mieden, Vorstandsvorsitzender von VinylPlus Deutschland.

